Stress-News

Killerspiele: Studie bestätigt meine Stressabbau-Hypothese · vom 16. Juli 2010

Eine neue Studie der Texas A&M International University untermauert meine Hypothese zum stressreduzierenden Effekt der Killerspiele, die ich in einem vorangehenden Artikel beschrieben habe: Digitale Arbeit erzeugt eine Art von Stress, die auch in diesem Kontext wieder abgebaut werden kann. Darüber hinaus kann man auch in anderen Lebensbereichen davon profitieren.

Gewalttätige Computerspiele helfen, Stress und Depressionen abzubauen, folgert die Studie. Menschen, die sogenannte “Killerspiele” spielen zeigen langfristig bessere Fähigkeiten mit Stress und Frustration umzugehen. Dagegen fand die Studie keine Verbindung zwischen gewalttätigen Videospielen und aggressivem Verhalten.

Das legt (neben einigen anderen Beobachtungen) nahe, auch eine zweite Hypothese des michlsberrig-Artikels in einer Studie zu überprüfen: Nämlich dass Menschen in der Situation vor dem Computer angepasste, unabhängige Ego-States ausbilden, das heißt spezialisierte Verhaltenskontexte, die von den Verhaltenskontexten der “realen Welt” weitgehend unabhängig sind. Es scheint, als würden eben nicht Verhaltensweisen übertragen, sondern nur unsere “Disposition”, d.h. Anspannung, Gereiztheit, Niedergeschlagenheit übernommen, auf der sich Verhaltensneigungen wie Aggressivität oder Kooperativität erst situativ, das heißt in jeder Umgebung unterschiedlich, ausbilden.

Stressabbau gegen virtuelle Gegner schadet niemandem

Wenn ich mich in einem Medium also effektiv abreagiere, oder besser lerne mit Stress umzugehen, dann ist es wahrscheinlich, dadurch auch in anderen Situationen zu profitieren.

Welche Verhaltensneigungen tatsächlich zwischen den Welten übertragen werden können, würde ich gerne über die Konzentrationsfähigkeit untersuchen: Wenn zwei Tätigkeiten gleichzeitig ausgeführt werden können, ohne dass eine von der anderen zu sehr ablenkt, dann ist es wahrscheinlich, dass sie innerhalb desselben Ego-States existieren können.

Aus Gesprächen mit Menschen, die viel Zeit online verbringen, fand ich bisher folgende Beispiele:

  • Es fällt einigen Online-Workern leicht, zu programmieren und nebenbei zu chatten, oder im Web zu surfen oder nebenher zu chatten.
  • Es bereitet einigen deutlich mehr Schwierigkeiten, fern zu sehen und nebenbei zu chatten. Obwohl die akustischen Signale grundsätzlich eine Brücke schlagen könnten, die Fernseh-Inhalte trotzdem weiter zu verfolgen. Eine Ursache könnte sein, dass wir für reines Empfangen einen anderen Ego-State annehmen als für Interaktion, und deshalb alle Versuche, Fernsehen und Internet zu verheiraten bisher fehlschlagen mussten.
  • Es bereitet einigen noch mehr Schwierigkeiten, einen Chat neben z.B. Hausarbeit zu verfolgen bzw. daran teilzunehmen, obwohl die Hausarbeit dafür einfach unterbrochen werden könnte, z.B. durch ein daneben stehendes Laptop, obwohl denselben Personen das Wechseln zwischen Chat und Programmieren wiederum leicht fällt.
  • Auch “Schreibtischarbeit”, z.B. Literaturarbeit, die eigentlich nur einen Blick vom Computerbildschirm entfernt ist, scheint anders bearbeitet zu werden und bietet diese Schwierigkeit. Arbeit innerhalb und außerhalb der Bildschirmgrenzen scheint bei diesen Personen in unterschiedlichen Ego-States zu existieren.

Eine andere Zukunft gestalten

Ich vermute, dass die Aufmerksamkeit in typischen Online-Situationen grundsätzlich anders organisiert wird als das in vergleichbaren Tätigkeiten der analogen Welt der Fall war. Teils als Folge der raschen Informationspräsentation, aber nicht als passives Opfer einer unpässlichen Zukunft, sondern aktiv gestaltend, da man innerhalb der sich dort bietenden Möglichkeiten auch selbst aktiv anders kommunizieren, das heißt sich selbst anders gestalten möchte.

Falls jemand eine Studie kennt, die Konzentrationsfähigkeit bezüglich dieser Medienwechsel in Bezug auf Ego-States bereits untersucht hat, oder jemanden, der eine solche Studie durchführen möchte, freue ich mich auf einen kurzen Hinweis.