Stress-News

Beim "Dinner Skipping" geht es nicht um Kalorien · vom 13. Juli 2010

Immer wieder lese ich in Foren, dass Dinner Skipping keine gute Idee sei, weil das Auslassen von Mahlzeiten Jojo-Effekte produziere, ansonsten bei anderne Mahlzeiten zu viel auf einmal gegessen würde, und ähnliche Vermutungen. Ein gängiger Alternativvorschlag ist, die Mahlzeiten noch weiter über den Tag zu verteilen. Ich mag dabei zwei übliche Fehlannahmen noch einmal ins rechte Licht rücken:

1. Beim Dinner Skipping (dem Auslassen des Abendessens) geht es in erster Linie nicht um Kalorienreduktion.

2. Die Mahlzeiten über den Tag zu verteilen kann sich ungünstig auf den Blutzuckerspiegel auswirken.

Dinner Skipping

Beim Dinner Skipping versucht man hauptsächlich, eine möglichst lange Zeitspanne zu ermöglichen, in der überhaupt nichts gegessen wird. Das fällt uns normalerweise nachts ziemlich leicht. Der Gedanke ist, diese Zeitspanne möglichst weit auszudehnen, ohne dadurch negative Effekte auf die Physiologie zu erzielen. Dazu kann man entweder die erste Mahlzeit des Tages nach hinten zu schieben (kein Frühstück), bzw. die letzte Mahlzeit des Tages möglichst weit nach vorne verlegen. Letztes hat viele Vorteile:

1. Der Blutzuckerspiegel darf in der Nacht natürlich absinken, ohne dass ein Hungergefühl erlebt werden kann, da wir schlafen. Die Leber regelt den Rest.

2. Der Insulinspiegel kann am Abend rechtzeitig absinken. Dadurch reduziert sich das Hungergefühl, und unser Organismus geht unbelastet in den Schlaf.

3. Schlafen wir ohne belastende Verdauungsprozesse ein, haben wir morgens auch wahrscheinlich kein doofes Gefühl im Magen, das wir irrtümlich für Hunger halten.

Beim Dinner Skipping geht es also darum, den Blutzuckerspiegel über eine möglichst lange Periode des Tages zu senken, damit der Insulinspiegel ebenfalls absinken kann. Das reduziert das Hungergefühl, wirkt sich positiv auf Insulinresistenzen aus und hilft enorm beim Gewichtsverlust, da nicht alles, was konsumiert wird, sofort in die Fetzellen geschoben wird.

Wenige, zuckerarme Mahlzeiten am Tag

Je mehr Mahlzeiten man über den Tag verteilt, desto öfter regt man, abhängig von der Beschaffenheit der Nahrung, die Bauchspeicheldrüse an, Insulin freizusetzen. Auch wenn man nur kleine Mengen isst, kann die produzierte Insulinmenge enorm sein (siehe dazu diese Studie). Auch z.B. Limonaden, Liköre, Bier und gezuckerte Fruchtsäfte sind Insulin-Fallen.

Um nach einer Mahlzeit ein Zucker-Down zu vermeiden, sollte man darauf achten, dass sie einen niedrigen “Insulin-Score” hat, was in den meisten Fällen bedeutet, ihre glykämische Last, also die Menge an schnell aufgenommenen, blutzuckersteigernden Kohlenhydrate niedrig zu halten.So kann man die Nahrungsaufnahme auch auf einen engeren Bereich des Tages reduzieren, z.B. zwischen 11 und 15 Uhr, denn der Blutzuckerspiegel schnellt dadurch nicht in astronomische Höhen. Natürlich sollte man dabei auf die persönliche Situation Rücksicht nehmen. Der Energiebedarf von körperlich schwer arbeitenden Menschen organisiert sich unterschiedlich von einer typischen Bürokraft.

Insulin-Sucht

Insulin steigert die Einlagerung von Glucose in die Fettzellen, hemmt den Fettabbau, fördert das Zellwachstum (und damit der Onkologen Kopfschmerzen) und erhöht die Aufnahme von Tryptophan im Gehirn, aus dem wiederum mehr Serotonin gebildet wird. Für eine gewisse Zeit lang kann uns Insulin also ein trügerisches Wohlgefühl verschaffen, das zu Entzugserscheinungen führt: Unterzuckerung, Diabetes und ein gestörter Serotoninhaushalt.

Wenn wir nach einer zuckerhaltigen Mahlzeit nach ca. drei Stunden in ein Delirium Tremens fallen, und vor lauter Zittern “unbedingt etwas essen” müssen, dann handelt es sich also um Entzugserscheinungen, eine Stoffwechselentgleisung. Derselbe Körper, der uns signalisiert, unbedingt etwas essen zu müssen, könnte nämlich bei anderer Stoffwechsellage noch Tage oder gar Wochen von seinen Reserven weiter existieren — insofern der Insulinspiegel richtig eingestellt ist.

Für mich stellen diese Entzugserscheinungen Suchtfolgen dar, ähnlich wie manche hohen Blutdruck auch als Folge einer Salzsucht bezeichnen.

Dinner Skipping kann helfen

Das Dinner Skipping kann helfen, dauerhaft erhöhte Insulinspiegel zu vermeiden. Unser Körper schüttet Insulin in Schüben mit 3-6 Minuten Abstand aus. Die durchschnittliche Halbwertszeit des Insulins im Blut beträgt dabei 5 Minuten. Sinkt der Blutzuckerspiegel unter ein bestimmtes Maß, so sinkt also auch die ausgeschüttete Insulinmenge bei einem gesunden Stoffwechselverhalten rasch wieder ab. Erst dadurch, dass wir ständig schnelle Kohlenhydrate in unseren Körper füllen nötigen wir die Bauchspeicheldrüse zu einem ermüdenden — und abhängig machenden — Dauerbetrieb. Die Insulin-Antwort ist dann verzögert, die Zeitspanne, die benötigt wird, um wieder den “Ruhepegel” zu erreichen, verlängert sich mit steigender Insulintoleranz.

Darüber hinaus wirken auch Gastric Inhibitory Polypeptide (GIP) und Glucogen-like Peptide (GLP1) bei hohen Glucose-konzentrationen fördernd auf die Insulin-Ausschüttung. Die Konzentration dieser Botenstoffe im Blut erhöht sich auch nach Aufnahme von Fetten und bestimmten Proteinen. Vor allem eine Hemmung der GIP-Rezeptors steht im Verdacht, maßgeblich zu Diabetes mellitus vom Typ 2 beizutragen. Sie sind nach heutigem Stand der Forschung der Grund dafür, dass auch andere Nährstoffe wie Eiweiß und Fette bei der Insulinausschüttung berücksichtigt werden müssen.

Dinner Skipping kann daher auch gegenüber einer abendlichen kohlehydratarmen Ernährung (wie z.B. Atkins) Vorteile haben.

Dieser Artikel stellt recherchierte Studien, aber auch Meinungen, und keine Gesundheitsberatung dar. Bei Fragen zu Ernährung, Diabetes, Blutwerten, Risiken oder Nebenwirkungen konsultieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker.